Energiesparendes Fahren

Ohne Herzblut der Lokomotivführer wäre es noch viel schlimmer

„Der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Fahrt eines Lokführers hegt bei bis zu 30 Prozent Stromverbrauch“, lässt die Deutsche Bahn (DB) im „Spiegel“ verkünden. Ist es wirklich eine gute Fahrt, wenn der Zug drei Minuten zu spät kommt und die Fahrgäste ihren Anschlusszug nicht erreichen, weil der Lokomotivführer Energie gespart hat?

Jeden Tag vor enttäuschten Kunden
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) beantwortet dies mit einem klaren NEIN. „Kein Lokomotivführer hetzt einfach über die Schiene. Unsere Lokomotivführer und Zugbegleiter tun ihr Bestes, um die Fahrgäste und die Fracht trotz der ständigen Probleme sicher und pünktlich ans Ziel zu bringen. Dennoch stehen sie fast jeden Tag vor enttäuschten Kunden“, so der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky.
Wo es möglich ist, muss Energie gespart werden, keine Frage. Wo das ist, das wissen die Lokomotivführer ganz genau. Sie kennen aber genauso ihren Fahrplan und die Beeinträchtigungen der Fahrgäste, wenn er nicht eingehalten wird.

Immer mehr Probleme
Und die Probleme im Schienenverkehr nehmen ständig zu. Schlechte Organisation der Baustellen, gravierender Personalmangel, ein Schienennetz, das jahrzehntelang ausgedünnt wurde, sodass die nächste Weiche zum Vorbeifahren zig Kilometer entfernt ist. Statt in die Fläche zu investieren, wurden Milliarden in Prestigeobjekten versenkt. „Die Bahn wurde seit 30 Jahren kaputtgespart, sodass die Systemvorteile eines pünktlichen, zuverlässigen Verkehrsmittels sukzessive verloren gingen“, so Weselsky. Im vergangenen Jahr war fast ein Viertel der Fernverkehrszüge unpünktlich. Insgesamt sind 140.000 Züge ausgefallen, was in keiner öffentlichen Pünktlichkeitsstatistik auftaucht. Weselsky: „Statt einer qualifizierten Fehleranalyse werden die Probleme oftmals beim Betriebspersonal abgeladen.“

Hätte, hätte, Fahrradkette
Wenn die Deutsche Bahn mehr Personal einstellen, ihre Baustellen besser managen und überhaupt das Schienennetz sukzessive nach einem integralen Taktfahrplan ausbauen würde, könnte nicht nur jede Menge Energie gespart werden. Dann gebe es auch einen zuverlässigeren, pünktlichen Schienenverkehr: „Hätte, hätte, Fahrradkette. Bis dahin verbietet es sich, beim Stromverbrauch von schlechten Fahrten eines Lokomotivführers zu sprechen. Wenn der Lokomotivführer nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Herzblut seinen verantwortungsvollen Dienst verrichten würde, dann sehe es noch viel schlimmer aus“, so der GDL-Bundesvorsitzende und weiter: „Das DB-Management fabuliert jedoch lieber von autonomen Zügen in der Zukunft, statt heute einen sicheren, pünktlichen, zuverlässigen Verkehr zu organisieren und versucht dieses Unvermögen, durch hektische Betriebsamkeit zu vertuschen.“

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